Saab 900 – Alter Schwede?

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Saab 900
Zeitlos schön und irgendwie anders
Motointegrator

Einige der schrulligen schwedischen Turbolimousinen wurden tatsächlich in Finnland gebaut! Welchen Vorteil hat das für heutige Interessenten, und geht sowas auch im Alltag noch?

Andere Autos aus Trollhättan

Schweden kann ja so viel mehr als nur Pipi Langstrumpf. Saabs Technischer Direktor Henrik Gustafsson und Chefdesigner Björn Envall präsentierten 1978 die Weiterentwicklung des beliebten Saab 99 und stellen damit ein ausgereiftes, aber irgendwie „anderes“ Automobil auf die vier Räder. Das Zündschloss saß klassisch zwischen den vorderen Sitzen, die Stoßfänger reparierten sich selbst 😊 und der Fahrersitz war serienmäßig beheizt, weil es im Norden fast immer kalt ist.

Limousine
Der Turbo-Zweitürer wurde in Finnland gebaut!

Technisch wurde anfangs noch vieles vom Vorgänger Saab 99 übernommen, aber kontinuierlich weiterentwickelt. Bis 1988 wirte die Kraft der Handbremse ungewöhnlicherweise auf die Vorderräder, was heute den einen oder anderen kummervollen Moment bei der Einstellung nach sich zieht. Die auch sonst ungewöhnlich wirkende Fließhecklimousine mit der gewölbten Frontscheibe und drei oder fünf Türen kam ausschließlich mit Benzinmotoren auf den Markt und wurde ab 1980 noch um eine Stufenhecklimousine ergänzt. Saab trieb schon früh die in diesem Segment neue Technik des Turboladers voran, die heute sehr begehrten Turbolimousinen waren die Topmodelle des schwedischen Autobauers.

Saab 900
Beim Saab 900 ahnt man die Flugzeug-Gene

Ab Anfang der 80er Jahre wurden die neuen H-Motoren eingeführt, die wesentlich standfester und unkapriziöser als die alten B-Motoren waren. Auch die Turbomotoren wurden verbessert und erweitert, sie erhielten einen Klopfsensor, ein eigenes Steuergerät, ein unterdruckbetätigtes Bypass-Ventil, und ein Ladedruckregelventil. Dadurch konnten sie auch ohne Schäden am Triebwerk mit minderwertigem Kraftstoff und niedrigen Oktanzahlen gefahren werden. Wenn man an die Triebwerke rankommen will, steht man als Nicht-Saabler zunächst vor einem Rätsel. Die wuchtige Motorhaube öffnet sich, wie bei zeitgenössischen BMW, entgegen der Fahrtrichtung von der Scheibe aus. Wer das nicht weiß, sucht ziemlich lange den Öffner, und die Scharniere…

Saab
Der Klang des 16V Turbos macht Gänsehaut

Auch nach der Modellpflege noch „besonders“

Nach einer größeren Modellpflege im Jahr 1986 – quasi der einzigen in der ersten Baureihe des 900 – ging auch das schon 1983 vorgestellte Cabriolet in Serienproduktion und war mit über 48.000 Exemplaren durchaus erfolgreich. Der Saab ohne festes Dach wurde neben einigen anderen Modellen damals von Valmet im finnischen Uusikaupunki gebaut, und da kommt unser Fotomodell auf den Plan. Der Legende nach gab es nämlich nur 256 zweitürige Turbolimousinen mit dem 16V Motor, und die kamen ebenfalls aus Finnland.

Limousine
Schrulliger 80er-Jahre Plüsch

Saab-Besitzer Hinne bekam diesen 900 von einem Bekannten angeboten und was Fahrzeuge aus dem Norden von Schweden oder Finnland auszeichnet, ist die meist hervorragende optionale Rostvorsorge. Wegen der schotterigen Pisten rund um den nördlichen Polarkreis sind viele Fahrzeuge – anders als im Rest Europas – direkt nach Auslieferung mit kiloweise Dinol oder Mike Sanders geduscht worden und ein einem entsprechend guten Zustand. Denn Rost ist einer der Feinde des Saab, dieser hier hatte bis auf eine Stelle am Tankdeckel und an der Heckklappe keine Probleme.

Saab 900
Im Saab – erstmal das Zündschloss suchen

Für das Alter kaum Probleme

Überhaupt – so richtig Probleme macht so ein alter Saab eigentlich nicht. Anders als bei anderen Klassikern ist die Ersatzteillage relativ entspannt, was auch auf die hohe Stückzahl von insgesamt über 900.000 Fahrzeugen und die wenigen Modellpflegen zurück zu führen ist. Einige Händler fertigen spezielle Ersatzteile nach, die meisten Verschleißteile gibt es aber bei mehreren Anbietern und natürlich auch bei uns immer noch in großer Auswahl. Die Motoren, die immer ein wenig Öl verbrauchen, sind gut für mehr als 300.000 Kilometer. Leider wird das Öl nicht immer nur verbrannt, sondern kleckert auch mal am Lenkgetriebe oder dem Verteiler raus. Aber das, genau wie im Alter eintrübende Scheinwerfer, kann ja keinen Schweden oder Finnen schrecken.

Saab
Eine ungewohnte Haubenmechanik

Ein Saab 900 ist in seiner Urversion ein toller Einsteiger in die Oldtimerei, man bekommt eine gute Qualität und viel Extravaganz zu einem überschaubaren Preis. Fahrer Hinne lobt die Foren, Vereine und lokalen Gruppen, die allesamt sehr hilfsbereit bei allen Problemen sind und sich leicht im Netz finden und kontaktieren lassen. Auch haben sich ein paar Fachwerkstätten und Spezialisten herauskristallisiert, die einen bei größeren Problemen nicht im nordischen Regen stehen lassen.

Heckklappe
Die Heckklappe ist gar keine echte

Hinne wählte damals den Saab, weil er auf der Suche nach einem familientauglichen Alltagsoldtimer war, auf den er bei seinen Reisen auch ein Dachzelt montieren kann. Seit seinem Saab 9000 war er Fan der Marke und ihrer ganzen liebenswerten Schrulligkeit und hat nebenbei, als zweite Herausforderung, noch einen Porsche 924S. Aber das ist eine andere Geschichte. Bis dahin geht es weiter mit dem Finnen aus Schweden auf deutschen Straßen.

Sandmann
Alltagstauglich und reiselustig

Saab 900 I (Schrägschnauzer)
Karrosserie: Limousine 2-/4-türig, Kombicoupé 2-/4-türig, Cabriolet
Ottomotor: 2,0 – 2,1 Liter (74-136 KW)
Länge/Breite/Höhe: 4680-4740/1690/1420 mm
Leergewicht: ca. 1620kg
Produktionszeitraum: 1978-1994
Wert: 5.000 – 15.000 €

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