Ein Nissan für’s Grobe

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Nissan
Sommer oder Winter – der Patrol macht seinen Weg.
Motointegrator

Der Nissan Patrol bis 2009 ist einer der letzten echten Geländewagen mit Leiterrahmen, Starrachsen und Allradantrieb. Kann man das heute noch machen?

Schnee? Eis? So richtig wollen die Scheiben des bei Nissan Iberica in Barcelona gebauten Patrol noch immer nicht abtauen, obwohl der Diesel schon seit 15 Kilometern emsig versucht, das Kühlwasser rund um die 2,8 Liter Hubraum zu erwärmen. Vor allem im Winter zeigt sich klar: Der Nissan Patrol ist keine entspannte Reiselimousine. Er ist ein echter Geländewagen. Aber eben genau das macht ihn so interessant.

Kraftvoller Motor
Die Kälte zerrt an allem.

Kraftvolle Motoren, massive Stahlträger und eine klassisch gestrickte Elektrik lassen den seit den 50er Jahren gebauten Japaner bei minimaler Pflege zum Dauerrenner werden. Erst 1988 wurden die Blattfedern durch Schraubenfedern ersetzt, aber komfortabel ist das in Deutschland seit 1998 angebotene Modell Y61 deshalb noch lange nicht. Der Wirbelkammer-Diesel der ersten beiden Jahre klingt zwar beruhigend stoisch wie ein Trecker, verhindert aber auch ab 120 km/h auf der Autobahn jede Kommunikation.

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Drinnen ist viel Platz.

Der Motor bekommt bei dauerhaften hohen Drehzahlen oder unter Last (zum Beispiel beim Trailern) Probleme mit der Öltemperatur, was beim Ignorieren nicht selten die Zylinderkopfdichtung oder gleich den ganzen Zylinderkopf killt. Wer aber die 8 Liter Motorenöl des dicken Heizölbrenners nicht überfordert oder einen Ölkühler nachrüstet hat einen zuverlässigen Freund für viele 100.000 Kilometer gefunden.

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Viele Knöpfe und Knüppel, aber kein Display. Gut.

Obwohl die Sitze wirklich bequem sind – der Nissan Patrol ist nicht für den stylischen Auftritt vor dem Opernhaus gebaut worden. Das erledigt eher sein Nachfolger Y62, der mit selbsttragenden Karosserie und Einzelradaufhängung das Sports Utility Vehicle (SUV) Fass aufmacht. Oder die G-Klasse von Mercedes-Benz, wenn wir beim Geländewagen bleiben wollen. Deshalb lagen die Einsatzgebiete dieses Modells in den letzten zwei Dekaden auch eher auf dem Acker des Reiterhofs, im Wald oder im bergigen Gelände. Bei Schritttempo eingelegte 100%ige Differentialsperren ziehen das 5-Meter Schiff überall wieder raus.

Cockpit
Das Cockpit ist fast asketisch schlicht.

Dem Acker des Reiterhofs, dem Wald oder dem bergigen Gelände wiederum ist die Rostvorsorge ab Werk nicht dauerhaft gewachsen: Nissan Patrols rosten hemmungslos, wenn sie nicht frühzeitig konserviert wurden. Der Leiterrahmen, speziell die Aufnahmen für die Achsführungen, die Hecktraverse und die Seitenschweller – faustgroße Löcher unter kaschierendem Unterbodenschmatz sind keine Seltenheit. Dank der Bodenfreiheit von 20cm unter den Achsen können diese Stellen allerdings auch ohne Hebebühne gefühlt stehend inspiziert werden. Es gibt sie aber noch, die von Liebhabern gepflegten Fahrzeuge.

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Kein Plüsch, aber robuster Kunststoff.

Die beiden in Deutschland erhältlichen Modelle wurden von anderen Produktionsstandorten wie den Philippinen, Südafrika oder Pakistan mit weiteren Motorenvarianten und anderen Bauformen angeboten, was die Ersatzteilsuche manchmal anspruchsvoll macht. Grundsätzlich ist aber (bis auf vereinzelte Kleinteile) noch immer alles zu bekommen und auch für Selbstschrauber dank der großzügigen Dimensionierung einfach zu reparieren. Die beiden Keilriemen für die Lichtmaschine oder die Wasserpumpe zum Beispiel lassen sich auch auf einem unbeleuchteten Parkplatz wechseln.

Motor
Trittleiter dabei? Ohne kommt man kaum an den Motor ran.

Unser Fotomodell hat über 50.000 Kilometer quer durch Europa mit seinem aktuellen Besitzer zurückgelegt. Über Belgien an die Normandie und weiter über Mont-Saint-Michel und La Rochelle nach Bordeaux und Biarritz. Über die Pyrenäen nach Spanien und Andorra zum Mittelmeer und weiter die Ligurische Grenzkammstraße Alta via del Sale entlang. Über Polen und Litauen auf die Kurische Nehrung oder quer durch Skandinaviens Norden. Der riesige Raum im Heck bei umgelegter Rückbank lässt viel Platz zum Übernachten und Gepäck verstauen. Wer braucht da noch ein Wohnmobil?

Wohnmobil
Wer keine Fichten transportieren muss, kann hier ein Bett einbauen.

Technische Pflege bedeutet außerdem nicht automatisch Show Room Condition. In so einem Fahrzeug kann auch mal gelebt werden. Da sind die Sitzwangen verschlissen, da sind die Fußmatten vom Schmutz der Welt etwas angegriffen und hier und da liegen auch Sachen in den Seitentaschen der Türen oder der Mittelkonsole – so sieht der Alltag nun mal aus. Um das zu demonstrieren haben wir diesen extra mal nicht aufgeräumt.

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Acker-Schnacker – der Patrol macht seinen Weg.

Ein Nissan Patrol ist auch für Touren durch raues Gelände geeignet. Er muss es nicht beweisen, tut es aber im Norden von Hamburg über die Felder und quer durch den Wald. Das Fahren mit Differentialsperren muss ein wenig erlernt werden, bringt einen aber auch aus den tiefsten Matschlöchern wieder raus. Die Bedienung der Allrad-Helferchen erfolgt beim Patrol nicht über elektronische Wippen oder Knöpfchen, sondern massive mechanische Hebel und Drehschalter. Dieses gewaltige Fahrzeug lässt einen in dem Glauben an stoisches Funktionieren zurück. Das ist nichts für jedermann. Aber wer sowas sucht – der sollte sich da mal ranwagen.

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Imposante Erscheinung, nahezu unzerstörbar.

Der Nissan Patrol der Baureihe Y61 ist das perfekte Fahrzeug für Freizeit- und Berufs-Offroader und mit über 3000kg gebremster Zugkraft auch für das Ziehen von Pferdeanhängern oder Autotrailern geeignet. Weniger als 10 Liter Diesel sind auf 100 Kilometern kaum möglich, aber der 95-Liter Tank sorgt trotzdem für Reichweite. Die Preise für deutsche Fahrzeuge pendeln aktuell zwischen 10.000€ und 30.000€. Dazwischen findet sich fast jeder Pflegezustand und jede Laufleistung. Wer die Hinweise zu den nicht vollgasfesten Dieselmotoren und dem Rost beachtet, muss sich nur noch mit dem rauen Auftritt des Kolosses auseinandersetzen. Der ab 2009 in Deutschland verkaufte Nachfolger Y62 ist moderner, runder und komfortabler – aber eben kein Geländewagen, sondern ein SUV.

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Das sieht nach einem guten Urlaub aus.

Nissan Patrol TD-6 (Y61)
Motor: Sechszylinder Reihe
Hubraum: 2.826 ccm
Leistung: 129 PS bei 4.000 1/s
Drehmoment: 252 Nm bei 2.000 1/s
Getriebe: 5-Gang Manuell, Allradantrieb 4×4, Untersetzung und Sperrdifferential
Maße (L x B x H in mm): 5.080 x 1.940 x 1.855
Leergewicht: 2.070 kg
Vmax: 155 km/h
Normverbrauch: 10,9 l
Baujahre: 1997-2009

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