Was knackt denn da beim Öffnen?

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Fangband
Unterarme mit vier Gelenken sind hier hilfreich
Motointegrator

Fangbänder an unseren Autotüren sind nicht lebensnotwendig – aber wenn sie kaputt oder verschlissen sind, machen sie üble Geräusche und halten die aufgehende Tür nicht mehr sicher. Wir haben einmal exemplarisch ein gebrochenes Fangband ersetzt.

Schrauben
Neu gegen alt. Auch Metall kann ermüden

Vorsorge:

Wir sind uns hoffentlich einig: Selbst durchgeführte Arbeiten am Auto sollten nur erfolgen, wenn man weiß, was man tut. Wenn ihr euch nicht sicher seid, lasst eure Ersatzteile lieber von einem Fachbetrieb austauschen. Für die heutigen Arbeiten sind nahezu keine Kenntnisse und nur wenig Werkzeug nötig. Trotzdem können falsch verschraubte oder nicht richtig eingesetzte Fangbänder unter Spannung brechen oder die A- oder B-Säule beschädigen. Macht euch mit der Materie vertraut, bevor ihr euch verletzt.

Fangband
Unter dem Fett die gebrochene Aufnahme

Türen müssen gefangen werden

Die Türen eines Kraftfahrzeugs sind meistens mit zwei massiven Scharnieren an dem dicken Metall der A- und B-Säulen (vorn und Mitte) verschraubt. Einige Türen lassen sich in mehreren „Schritten“ öffnen und halten sich halb oder dreiviertel geöffnet in ihrer Position. Diesen Trick erledigt ein sogenanntes mehrstufiges Fangband, was meistens zwischen den beiden Scharnieren mit Tür und Karosserie verschraubt ist und sich beim Öffnen und Schließen aus der Tür heraus oder in die Tür hineinschiebt.

Neuteil
Das Neuteil sieht etwas besser aus

Neben diesem netten, mechanischen Komfort verhindert ein Fangband aber vor allem ein komplettes Aufgehen der Tür, also über den Bereich der Scharniere hinaus. Die Tür wird gestoppt. Eine Tür ohne Fangband könnte also so weit geöffnet werden, dass die Scharniere verbiegen oder die Metallhaut im Kontakt mit der A-Säule oder dem Kotflügel verbiegt. Deshalb ist ein Fahren ohne Fangband natürlich möglich, beim Öffnen der betreffenden Tür ist aber höchste Vorsicht und Fingerspitzengefühl geboten. Ein kaputtes Fangband ist gebrochen oder rissig und ausgeschlagen, in meinem Fall ist die Aufnahme an der A-Säule komplett durchgebrochen. Das knackt schlimm beim Öffnen der Tür.

Werkzeug
Das kleine Werkzeug-Besteck

Was brauchen wir für die Arbeiten?

Da zunächst die Türverkleidung entfernt werden muss, brauchen wir Kreuzschlitz, Schlitz oder Torx Schraubendreher, das kommt ein bisschen auf euer Automodell an. Ein guter, kleiner Ratschenkasten mit kleinen Verlängerungen und Langnüssen hilft beim Lösen und Festziehen der Haltemuttern. Und leider – das klingt herrlich albern aber ist wohl so – brauchen wir auch Unterarme aus Gummi, Finger mit mindestens vier Gelenken, eine Engelsgeduld und ein bisschen Magie. Wer das alles hat kann direkt loslegen.

Fangband
Vorsicht – Plastik kann brechen

Pappe ab, Innereien freilegen

Für alles, was in den Tiefen einer Autotür passieren soll (Fensterheber, Schloss, … Fangband…) muss diese Autotür na-tür-lich erst einmal „geöffnet“ werden. Nicht im klassischen Sinne, vor dem Restaurant, um die Herzdame elegant rauszulassen. Sondern die Türpappe muss ab, jenes nach Innen so gemütlich tuende Teil, was über undurchsichtige und niemals ganz zu durchschauende Wege mit dem Metall der Tür verbunden ist.

Schrauben
Gut versteckte Schrauben

Eine Türpappe (sicherlich gibt es da auch einen Fachbegriff für) ist mit mehr oder weniger vielen Clippsen an die Tür geclippst, außerdem befinden sich meistens auf Höhe der Handgrifft massive Verschraubungen. Und es gibt immer mindestens eine versteckte kleine Schraube, die man noch nicht kannte und die dann beim gewaltsamen Abhebeln alles kaputt macht.

Schrauben
Überraschungs-Schrauben gibt es überall

Diese Zerstörung habe ich in einem früheren Leben schon durchgezogen, deshalb weiß ich heute, wo bei meinem alten Citroen XM der Frosch die Locken hat. Zwei Schrauben unterhalb des Griffes und unter dem Schalter für den Fensterheber sind flott draußen, die kleinen Bösen sitzen neben dem Lautsprecher – und darunter. Wenn man in diesem Fall also den Lautsprecher nicht ausbaut (das dauert 50 Sekunden), bleibt diese eine Schraube drin. Heute nicht.

Fangband
Ab dafür. Jetzt kann es losgehen

Alles logisch – aber für wen?

Wenn die Wohnlandschaft aus Leder und Alcantara erfolgreich abgehebelt wurde, alle Clipps immer noch heile sind und die Kabel für den Fensterheber, den Lautsprecher und das kleine Lämpchen zur Beleuchtung des Fußweges von den Steckern gezogen wurden kommt die Fummelei. In meinem Fall ist die Verschraubung des gebrochenen Teils vom Fangband an der A-Säule schnell gelöst.

Die beiden Muttern der Verschraubung in der Tür sind auch schnell ab, die davor gestopfte Schaumstoffdichtung ist heile geblieben. Das kaputte Fangband ist nun befreit und plumpst am Seitenaufprallschutz und dem Fensterhebergestänge vorbei in die Tür. Da kann man es aus dem Loch des Lautsprechers gut herausholen. Aber geht das Neuteil da auch genauso gut wieder rein?

Schrauben
Man kommt an alle Schrauben gut ran

Und jetzt wird es magisch

Der Haken an so einer gut verschraubten Tür ist, dass man nicht wirklich reingucken kann. Die Ingenieure bei Citroën haben gut durchdachte Aussparungen im Metall gelassen, um an den Fensterheber und alle anderen neuralgischen Punkte einigermaßen ranzukommen. Auch für das Fangband, was auf einer dicken Federplatte sitzt. Aber wie genau die sich das gedacht haben erschließt sich vermutlich erst, wenn man genauso viel Rotwein wie die Jungs getrunken hat.

Und solche ausgestanzten Bleche sind scharfkantig… Ich mach’s mal weniger spannend, weil das bei eurem Auto bestimmt viel einfacher ist. Hier musste ich das Neuteil um 180° verdreht durch das Lautsprecherloch zwischen Seitenaufprallschutz und Türkabelbaum durchhexen, denn nur so verdreht passt es durch die kleine Nut, die es aus der Tür heraus zur A-Säule passen lässt. Dann wieder drehen, und vielleicht passt es dann.

Fangband
Passt. Und sieht toll aus

Ja, es passt irgendwie

Es passt 😊 Die Verschraubungen sitzen fest, die Schaumstoffdichtung flutscht wieder an ihre Position. Ein paar Mal die Tür auf und zu, um die Funktion zu garantieren, bevor die Türpappe mit allen ihren Fallstricken wieder zurück an die Tür wandert. Heureka! Es ist keine Schraube übrig geblieben, alle elektrischen Verbindungen sind wieder aktiv und auch das Alcantara ist von meinen inzwischen wirklich schmutzigen Händen weitestgehend unberührt geblieben.

Fangband
Schööööön fetten das alles!

Nachsorge

Ein gutes Gefühl, eine solche Kleinigkeit erfolgreich zu Ende gebracht zu haben. Wenn ihr nun schonmal dabei seid, könnt ihr noch ordentlich Sprühfett in das frisch installierte Fangband Drücken. Vielleicht auch gleich in alle vier Türschlösser, Türgriff-Mechanismen und die Scharniere. Denn der nächste Winter kommt bestimmt, und so ein eingefrorenes Schloss ohne Fett ist wirklich nicht cool. Aber wenigstens knackt das Fangband nun nicht mehr. Silence ist golden.
Allzeit gute Fahrt!

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