Mercedes-Benz ML – der allererste SUV

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Mercedes-Benz ML
Baureihe 164 – viel stimmiger als der Vorgänger.
Motointegrator

Der erste ML läutete bei Mercedes-Benz das SUV Zeitalter ein ̶ heute sind mehr als ein Drittel aller in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge Sports Utility Vehicle. Die zweite Generation der „M-Klasse“ hat ein paar Kinderkrankheiten ihres Vorgängers abgelegt.

Made in Alabama

Im neuen Werk in Tuscaloosa, Alabama wurde vor fast drei Jahrzehnten so etwas wie eine S-Klasse auf einen massiven Leiterrahmen gebaut – mit einer Menge Luxus und einem Allradantrieb und 1997 als Mercedes-Benz Baureihe 163 auf der NAIAS vorgestellt. Ein paar Qualitätsstandards des deutschen Mutterkonzerns blieben seinerzeit leider auf der Strecke. Die „M-Klasse“ wurde in der Fachpresse vor allem diskutiert wegen ihres seltsames Aussehens, dramatischem Rost an völlig unkonventionellen Stellen und einigen Elektrikproblemen. Der Nachfolger ab 2005 sollte das alles besser machen.

Mercedes-Benz
Der Hochsitz unter den Fahrgastzellen.

Beim nachfolgenden SUV der Baureihe 164 lag die Messlatte nun seitens der vorsichtig gewordenen Kundschaft wesentlich höher. Der antike Leiterrahmen wich einer selbsttragenden Karosserie und der 15cm längere und 7cm breitere Auftritt des hochbeinigen Allradlers wirkte stimmiger als beim Vorgänger. In der hochgelegten Fahrgastzelle fühlt es sich tatsächlich an wie in einem S-Klasse Loft: Hochwertiges Leder, metallene Applikationen und viel Entertainment machen schnell klar, dass hier kein reiner „Geländewagen“ unterwegs ist.

Mercedes-Benz ML
Drei Kinder statt vier Pferde? Kein Problem.

Die zweite Generation des ML bietet eine Menge Platz für fünf große Menschen und deren Gepäck. Der Beau aus Alabama teilt sich die Bodengruppe mit der R-Klasse und dem GL und lässt auch auf langen Strecken keine Ermüdung aufkommen. Die Außenwelt bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten draußen und macht den ML zum luxuriösen Langstreckengleiter.

Cockpit
Das Cockpit ist regelrecht sportlich gestaltet.

Welcher Motor ist bei einem Mercedes-Benz ML empfehlenswert?

Das bei neueren Fahrzeugen unter der Motorhaube ein Verbrennungsmotor werkelt kann man in der Oberklasse meist weder sehen noch hören. Aber spüren lassen sie sich, die über 500 Newtonmeter an den vier angetriebenen Rädern. Der OM 642 Common-Rail Diesel aus Aluminium mit Piezoinjektoren drückt über die 7G-Automatik nach vorn und ist in allen seinen Ausbaustufen ein relativ genügsamer, robuster Geselle. Er hat reichlich Kraft für alle Lebenslagen, sein einziger Haken ist, dass er ein Diesel ist. Das kann man in ländlichen Gegenden ignorieren, in den Städten mit Umweltzonen und Fahrverboten kann das mehr und mehr Gewicht bekommen.

Motor
OM 642, dir Freunde des Drehmoments.

Da verwundert es nicht, dass ein ML gern als Zugfahrzeug genutzt wurde. Auch bei einer Anhängerlast von mehr als zwei Tonnen spürt man vorn kaum einen Unterschied. Und dieser Kraftschub der Dieseltriebwerke erklärt auch, warum in Deutschland nur verhältnismäßig wenige Benziner ausgeliefert wurden. Den kleinen Benziner gibt es als Sechszylinder und als Hybrid, das ist dann wohl Geschmackssache. Die V8 Triebwerke stehen in Kraft und Leistung den Dieseln kaum nach, sind aber entsprechend durstiger.

Mercedes-Benz ML
Der Haken an der Sache. Für Zugbetrieb.

Hobby Horsing oder Trailer King?

Im heutigen Straßenbild ist gefühlt alles SUV, groß wie klein. Das wirkt irgendwie einfallslos und austauschbar, aber es gibt hier und da durchaus Anwendungsbereiche. Für echte Landwirte oder Waldarbeiter kommt wohl eher eine G-Klasse in Frage, die ein echter Geländewagen ist und sich auch offiziell so benimmt.
Der ML hat zwar auch permanenten Allradantrieb und Features wie zum Beispiel eine Bergabfahrhilfe – das echte Geländepaket muss man hier aber optional buchen. Differentialsperren, Reduktionsgetriebe und Unterfahrschutz braucht man auf den gut ausgebauten Straßen der westlichen Zivilisation in aller Regel nicht. Dafür macht der SUV sich aber eben auch vor dem Opernhaus oder dem 5-Sterne-Restaurant eine gute Figur.

Armaturenbrett
Schicke Analoginstrumente und übersichtliche Displays.

Oberklasse? Ja, aber…

Es sind oft Kleinigkeiten, die in einem Luxusgleiter Sorgen machen. Die Qualität der Baureihe 164 ist gut, aber die schiere Menge an Bauteilen macht Fehler in der Elektrik im höheren Alter wahrscheinlich. Die Technik ist robust, und wenn sie regelmäßig gewartet wurde macht sie nicht mehr Probleme als bei anderen SUV auch. Es gibt begeisterte Mercedes ML Fahrer, die ihren Zugschlitten schon über 500.000 Kilometer sorgenfrei bewegen. Andere haben nach drei Motoren und fünf Havarien die Schnauze voll. Irgendwas ist ja immer.

Mercedes-Benz ML
Freunde von Knöpfen kommen hier auf ihre Kosten.

Wie ist die Ersatzteillage?

Markentypisch ist für einen Mercedes-Benz ML alles zu bekommen – aber nicht alles ist preiswert. Während Bremskomponenten oder Nebenaggregate in normalen Dimensionen rangieren, gibt es zum Beispiel die Abgasanlage nur original. Und das kostet richtig Geld. Elektrische Komponenten sind im Netz gebraucht zu bekommen, wen es ernst meint kann sich auch ein paar Prüfgeräte kaufen. Es ist nie verkehrt, einem elektrischen Fehlerchen selbst auf die Spur zu kommen.
Die zu erwartende Zuverlässigkeit eines Mercedes-Benz ML hängt eng mit seiner Historie zusammen. Regelmäßig gewartete Alltags-SUV fahren problemlos. Rest-TÜV Laster aus vierter Hand mit 300.000 Kilometern Anhängerbetrieb können einen in den Ruin treiben. Bei allen aber gilt wie immer: Es ist eine Oberklasse. Die Preise der Ersatzteile waren, sind und bleiben Oberklasse, die Werkstattkosten waren, sind und bleiben Oberklasse. Das wird auch immer so bleiben. Einen günstig gekauften ML fährt man auf Dauer nicht für billig. Punkt.

Mercedes-Benz ML (W 164)
Bauzeitraum: 2005-2011
Karosserien: SUV
Benzinmotoren: 3,5 Liter – 6,2 Liter (3,5 Liter auch als Hybrid)
Dieselmotoren: 3,0 Liter – 4.0 Liter
Produktion: Tuscaloosa, Alabama
Preise 2025: 3.000€ – 20.000€

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