Start-Stopp-Automatik – einfach Kraft sparen und die Umwelt entlasten

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Start-Stopp-Automatik
© GettyImages / Olivier Le Moal

Eine Start-Stopp-Automatik spart bei jedem Halt an einer roten Ampel Kraftstoff, schont die Umwelt und den Geldbeutel. Wie die Spritspar-Technik funktioniert, welche Vor- und Nachteile sie hat, ist Thema dieses Beitrags.

 

Was ist eine Start-Stopp-Automatik?

Vereinfacht gesagt ist eine Start-Stopp-Automatik eine Regelelektronik, die den Motor eines Fahrzeugs abschaltet, sobald das Fahrzeug beispielsweise an einer Ampel oder einer Bahnschranke anhält. Die Elektronik schaltet den Motor ohne Verzögerung wieder ein, wenn weitergefahren werden kann. Die Kraftstoffeinsparung durch eine Start-Stopp-Automatik summiert sich im Laufe eines Autolebens auf eine beträchtliche Menge. Der CO2-Ausstoß sinkt ebenfalls. Eine Start-Stopp-Automatik leistet also zumindest einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz.

 

In Europa liefert man mittlerweile rund 70 % aller Neuwagen mit einer Start-Stopp-Automatik aus. Die ersten Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1970. Damals hat Toyota eine erste Automatik dieser Art in eines seiner Fahrzeuge eingebaut. Die Technik konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Auch weitere Versuche von VW und anderen Herstellern in den 1980er und 90er-Jahren waren nicht von Erfolg gekrönt. Erst seit Anfang der 2000er-Jahre kann sich diese Spritspar-Technik angesichts immer höhere Kraftstoffkosten mehr und mehr durchsetzen.

 

Wie funktioniert eine Start-Stopp-Automatik?

Die Elektronik der Start-Stopp-Automatik registriert, wenn das Fahrzeug anhält. Hierfür werden verschiedene Sensoren beispielsweise am Bremspedal und an den Rädern verwendet. Sobald das Fahrzeug anhält, schaltet die Elektronik den Motor ab. Bei einem Fahrzeug mit manueller Schaltung muss dazu in der Regel das Kupplungspedal getreten werden und der Schalthebel auf Leerlauf stehen. Bei einem Auto mit Automatikgetriebe genügt die Betätigung des Bremspedals.

 

Der Motor springt, abhängig vom verwendeten System und Fahrzeug wieder an, wenn das Bremspedal gelöst oder bei einem Auto mit Schaltgetriebe das Kupplungspedal getreten wird. Je nach System wird der Motor auch wieder gestartet, wenn ein bestimmter Druck im Bremssystem unterschritten oder das Gaspedal getreten wird.

 

Welche Vor- und Nachteile hat eine Start-Stopp-Automatik?

Der Vorteil und Sinn und Zweck einer Start-Stopp-Automatik ist das Einsparen von Kraftstoff. Laut ADAC können bis zu 15 % Kraftstoff im Stadtverkehr mithilfe einer Start-Stopp-Automatik eingespart werden. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 Litern einer Einsparung von etwa 0,8 Litern je 100 km. Je öfter das Fahrzeug während der Fahrt anhält, umso höher ist die Einsparung. Das heißt aber auch, wer viel Autobahn und Landstraße fährt, wird diese Einsparung nicht erreichen.

 

Der Nachteil einer Start-Stopp-Automatik ist der deutlich höhere Verschleiß bestimmter Fahrzeugteile. Die Batterie wird deutlich höher belastet und je nach System auch der Anlasser und das Schwungrad des Motors. Wegen der hohen Belastung müssen die speziellen Start-Stopp-Starterbatterien trotz der Auslegung für diese Systeme in der Regel alle 4 bis 5 Jahre ausgetauscht werden. Hinzu kommt, dass einige Hersteller vorschreiben, welche Batterie eingebaut werden muss, damit das System die Batterie erkennt. Man kann also nicht immer das günstigste Angebot wahrnehmen.

 

Gründe, warum die Start-Stopp-Automatik nicht funktioniert

Unter bestimmten Umständen funktioniert die Start-Stopp-Automatik nicht so, wie sie soll. Laut ADAC gibt es verschiedene Faktoren, die abhängig von Fahrzeugmodell und Hersteller die Funktion der Start-Stopp-Automatik beeinträchtigen oder ganz unterbinden. Eine der häufigsten Ursachen ist eine zu schwache Batterie Spannung. Auch die Außentemperatur kann einen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit haben. Bestimmte Systeme funktionieren nicht, wenn es zu kalt oder zu warm ist.

 

Wenn der Motor seine Betriebstemperatur noch nicht erreicht hat, bleiben einige Start-Stopp-Automatik Systeme deaktiviert. Steht das Fahrzeug an einer Steigung oder wenn der Einparkassistent aktiviert ist, bleiben manche Systeme inaktiv. Auch wenn System beispielsweise am geöffneten Gurtschloss erkennt, dass das Fahrzeug nicht hält, funktioniert die Automatik in der Regel nicht. Ein angekoppelter Anhänger kann für die Elektronik ebenfalls ein Zeichen sein, die Start-Stopp-Automatik nicht zu aktivieren. In manchen Situationen ist eine Start-Stopp-Automatik eher hinderlich denn praktisch. Darum kann man sie in der Regel auch ausschalten.

 

Kann man die Start-Stopp-Automatik ausschalten?

Die Start-Stopp-Automatik kann man bei praktisch jedem Fahrzeug mit einem Knopfdruck ausschalten. Beispielsweise wenn in einem Stau auf der Autobahn das Fahrzeug immer nur ein paar Meter fährt, anhält und dann weiterfährt. Auch im Stop-and-go-Verkehr in der Stadt kann das Abschalten sinnvoll sein. Viele kurz aufeinanderfolgende Starts strapazieren die Batterie, ohne dass sie wieder aufgeladen wird.

Start-Stopp-Automatik
© GettyImages / Techa Tungateja

Die bekanntesten Start-Stopp-Systeme der Automobilhersteller

Nicht jedes Start-Stopp-System funktioniert gleich. Die Automobilhersteller weltweit nutzen unterschiedliche selbst oder von Zulieferern entwickelte Systeme. Die aktuell am häufigsten eingebauten Start-Stopp-Systeme sind:

 

Bosch Stop & Start

Bosch Stop & Start finden Sie in den Fahrzeugen des VW-Konzerns. Jeder Audi, Porsche, Seat, Skoda oder VW mit Start-Stopp-Automatik nutzt das Bosch-System. Auch BMW, Fiat, Chrysler, Alfa Romeo und zahlreiche amerikanische Automobilhersteller nutzen dieses System. Es ist mittlerweile millionenfach bewährt. Bosch Stop & Start benötigt einen stärkeren Anlasser. Die Regelung erfolgt durch das Motorsteuergerät. Die Elektronik sammelt fortlaufend Daten von verschiedenen Sensoren, beispielsweise an der Batterie, am Bremspedal, am Kupplungspedal und an einem speziellen Sensor, der die Kurbelwellenstellung registriert.

 

Sobald ein Fahrzeug mit einem Bosch Stop & Start System anhält, wird der Motor abgeschaltet. Wenn bei einem Fahrzeug mit Schaltgetriebe das Kupplungspedal getreten wird, startet der Motor wieder. Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe muss das Bremspedal gelöst werden, damit der Motor wieder anspringt. Neuere Ausführungen der Bosch Start-Stopp-Automatik schalten den Motor unter bestimmten Voraussetzungen bereits während der Fahrt vor dem Stillstand ab.

 

Idle Stop & Go (ISG) von Kia Motors

Die ISG Start-Stopp-Automatik von Kia funktioniert im Prinzip wie das Bosch Stop & Start System. Der Unterschied liegt darin, dass das Kia System auch die Lichtmaschine steuert. Kia Idle Stop & Go entkoppelt die Lichtmaschine beim Beschleunigen. Die gesamte Stromversorgung des Fahrzeugs erfolgt dann durch die Batterie. Wenn das Fahrzeug bremst, funktioniert die Lichtmaschine wieder als Generator und lädt die Batterie auf.

 

Mazda Smart Idle Stop System (SISS)

Beim Mazda SISS Start-Stopp-System wird der Motor nicht durch den Anlasser wieder gestartet. Der Motorstart erfolgt durch das Einspritzen von Kraftstoff und Zünden des Kraftstoff-Luft-Gemischs in den Zylindern. Damit dies funktionieren kann, stoppt man die Kolben beim Abbremsen des Fahrzeugs durch die Motorsteuerung in einer mittleren Position. Aus dieser Position heraus kann man den Motor leicht durch die Einspritzung von Kraftstoff starten. Bei der i-STOP genannten Weiterentwicklung des SISS-Systems wird der Startvorgang allerdings vom Anlasser unterstützt, um einen sicheren Motorstart zu garantieren.

 

Valeo i-StARS – Integrated Starter Alternator Reversible System

Das Valeo i-StARS Start-Stopp-System wird von Mercedes-Benz sowie von Peugeot, Renault und Citroën eingesetzt. Dieses System verfügt über eine eigene Steuereinheit und einen Wechselstromgenerator. Der Wechselstromgenerator ist eine Kombination aus Lichtmaschine und Anlasser. Durch einen speziellen Antriebsriemen, der Kraft in beide Richtungen übertragen kann, verwendet man den Wechselstromgenerator entweder als Anlasser zum Starten des Motors oder als Generator zum Aufladen der Batterie.

 

Kann man eine Start-Stopp-Automatik nachrüsten?

Im Prinzip ist es möglich, bei jedem Auto eine Start-Stopp-Automatik nachzurüsten. Nachrüstsätze sind im Handel ab etwa 100 Euro erhältlich. Der Einbau erfordert jedoch Fachkenntnisse und sollte in einer Werkstatt vorgenommen werden. Der Einbau in einer Fachwerkstatt kostet je nach Fahrzeug und System etwa 250 bis 400 Euro. Sie müssen also mit Gesamtkosten von rund 400 bis 500 Euro rechnen.

 

Für die Umwelt lohnt sich die Nachrüstung ab der ersten Fahrt. Ob es sich für Ihren Geldbeutel lohnt, ist allerdings fraglich. Bei Nachrüstkosten von 400 Euro, einer durchschnittlichen Einsparung von 0,8 Litern pro 100 km und einem durchschnittlichen Spritpreis von 1,4 Euro müssen Sie etwa 36.000 km fahren, damit sich die Nachrüstung für Sie lohnt. Sie müssen aber einen höheren Verschleiß von Batterie und Anlasser und dadurch weitere Kosten mit einkalkulieren.